Margot fragte mich als erstes: wie weit gehst du mit Bruno Gassi?
Ich sagte: zweimal am Tag für dreißig, manchmal vierzig Minuten, wegen des Knies, manchmal auch weniger.
Sie nickte. Und dann fragte sie: wie viel lässt du ihn dabei wirklich schnüffeln?
Nicht nur kurz an Bäumen, sondern wirklich suchen, wirklich arbeiten mit der Nase?
Ich dachte nach. Wir gehen. Er schnüffelt natürlich, an Bäumen, an Stellen wo andere Hunde waren, gelegentlich auch an irgendwas im Gebüsch.
Aber wir gehen. Wir bewegen uns vorwärts. Das Schnüffeln ist Begleiterscheinung, kein Ziel.
Ich hatte das nie als zwei verschiedene Dinge betrachtet.
Was Margot mir dann erklärte, war so einfach dass ich mich fragte warum mir das nie jemand so gesagt hatte. Beim Laufen verbraucht ein Hund körperliche Energie.
Aber sein Kopf schläft dabei eigentlich.
Es ist Routine. Er kennt die Strecke, er kennt den Rhythmus, er macht es automatisch.
Der Körper arbeitet, aber das Gehirn läuft auf Leerlauf.
Wenn er dagegen wirklich suchen muss, wenn er eine Aufgabe bekommt, wenn Leckerlis versteckt sind und er sie finden soll, dann strengt er sich an.
Er muss sich konzentrieren. Er muss jeden Bereich systematisch absuchen, er muss nachdenken.
Das kostet ihn etwas anderes als Laufen. Und das macht ihn müde auf eine andere, tiefere Art.
Margot sagte: beides zusammen ergibt das vollständige Bild.
Laufen für den Körper, Schnüffeln für den Kopf.
Die meisten von uns machen nur das eine und fragen sich warum der andere Teil nicht aufgeht.
Ich saß da und ließ das sacken. Es stimmte intuitiv.
Ich kannte das Gefühl nach einem langen Spaziergang: Bruno war körperlich müde, aber nicht wirklich ruhig. Als wäre da noch etwas Offenes.
Als hätte er das bekommen was er brauchte um sich zu bewegen, aber nicht das was er brauchte um innerlich zur Ruhe zu kommen.
Das Spazierengehen habe ich nicht aufgehört.
Das tue ich bis heute, so oft und so weit wie das Knie es erlaubt.
Aber ich habe verstanden dass es alleine nicht ausreicht.
Und dass das was ich alleine nicht mehr schaffe, nicht das Entscheidende war.
Wir hatten jahrelang körperliche Auslastung mit vollständiger Auslastung verwechselt. Das war kein Vorwurf. Das dachten wir alle.
Er muss nicht nur weiter laufen. Er muss auch nachdenken.
Dieser Satz hat sich bei mir festgesetzt.